3 Tage Mailand

24 Mrz 2016 | Auf Reisen, Foto

Läuft gerade: RAF Camora – Dämonen

Mailand, eine Stadt mit einer ganz besonderen Art. Alles extrem schick, sehr geleckt, makellos. Schaut man sich die Menschen auf der Straße an, fällt einem schnell auf, dass sich dort sich alle sehr bewusst kleiden. Pärchen wirken wie aus einem Guss, ein Mann steht an der Ampel und schaut auf sein Smartphone, er könnte glatt einem Werbeplakat entsprungen sein. Leider fehlte mir die Zeit die Menschen in Mailand besser kennenzulernen, wirken sie doch auf den ersten Blick so oberflächlich, steckt sicher viel Gutes in ihnen.

Ich reiste für ein Wochenende mit meinen liebsten Arbeitskollegen nach Milano, um unsere dort arbeitenden Kollegen, Land, Leute und das Nachtleben der Stadt kennenzulernen. Für mich war es ein erlebnisreicher Trip, auf dem ich sehr viele unterschiedliche Eindrücke gesammelt habe und mich kreativ richtig ausleben konnte. Durch das Flair auf den Straßen der Stadt, machte mir Fotografieren außergewöhnlich viel Spaß.

Ganz besonders in Erinnerung blieben mir 2 Sachen, die ich etwas ausführen mag…

Zum einen war da dieser Club, „Byblos“, dieser eine besondere Club, der so hochgelobt wurde und in den wir unbedingt am Samstagabend gehen mussten. Ich würde normalerweise nicht mal in die Nähe solch eines Etablissements gehen, aber gut, mit meinen Arbeitskollegen ist das noch mal was anderes, für die springe ich gerne über meinen eigenen Schatten. Wir zahlten 40€ (!!!) Eintritt, um drinnen angekommen festzustellen, dass der Pegel des Abends nicht sonderlich steigen wird und ich mir Alternativen einfallen lassen musste, um dort nicht zu verzweifeln. Ich trank ein Corona für 10€ (!!!), klaute mir einen Drink vom Nachbartisch und lies diesen so unglaublich surrealen Ort auf mich wirken. Die Menschen waren durchweg gut bei der Sache und schienen es sich ordentlich zu gönnen. Die Musik war so schlecht und noch dazu so laut, dass ich in einer Schwebe zwischen Lachen und Weinen hing. Ich fragte mich, warum alles in diesem Club so krass teuer ist, wenn es weder gute Musik gibt, noch eine wirklich ansprechende, „edle“ Einrichtung. Das Publikum und seine Umgebung ähnelten ehr gut gekleidetem Dorfdiscogängern, als Leuten, die sich bewusst sind wie viel Geld sie gerade für nichts aus dem Fenster werfen.
Wir verließen zu später Stunde den Club und fuhren mit Taxi heim. In unserem Airbnb werten wir noch lange die gemeinsame Nacht aus.

Ein umso schöneres Erlebnis, wenn auch zwiespältig, war mein erster Besuch auf einer Weltausstellung. Als ich am Freitagabend ins Flugzeug nach Mailand stiegt, wusste ich ehrlich gesagt nicht einmal, dass gerade die EXPO in der Stadt ist. Wir fassten also den Plan, die letzten Stunden vor unserem Rückflug (ca. einen halben Tag) auf der EXPO 2015 zu verbringen. Und was soll ich sagen? Ich hatte ja keine Ahnung. Von den Dimensionen solch einer EXPO hatte ich schon viel gehört, dort angekommen wirkte das aber alles noch mal ganz anders. Von den wohl über 150 Pavillons haben wir nur eine Hand voll geschafft. Unter anderem statteten wir  Spanien, Ecuador und Deutschland einen Besuch ab. Der deutsche Pavillon überraschte mich mit ausgefeilter Technik und einigen tollen Ideen in der Umsetzung. Nach einem Tag in der Hitze, dem langen Anstehen vor den Pavillons und vielem frisch gezapftem (zum Glück kostenlosen) Sprudelwasser, machten wir uns auf den Weg Richtung Flughafen, um wieder zurück nach Berlin zu fliegen.

Ich verließ meine erste EXPO mit einem bunten Gemisch aus Gefühlen und Eindrücken von diesem leider viel zu kurzem Tag. Der Leitgedanke dieser Weltausstellung war „Den Planeten ernähren, Energie für das Leben“. In der Begrüßungshalle wurde man durch einige starke Installationen auf die Verschwendung von Lebensmitteln hingewiesen und bekam ein groben Einstieg in die Thematik. Ich kann an dieser Stelle natürlich nicht für die gesamte EXPO an sich sprechen, allerdings verlor sich meiner Meinung nach schnell das ursprüngliche Motto und die Inhalte der Länder wirkten insgesamt sehr austauschbar und wenig bezogen auf eine nachhaltige, umweltschonende Lebensweise. Statt ein Bewusstsein für den räuberischen Lebensstil der westlichen Welt zu schaffen, stellte die EXPO für mich eher ein Monument für genau diesen Lebensstandard dar und zeigte den Armen und Hungernden sprichwörtlich den Mittelfinger. Sich allein vor Augen zu führen wie viel Geld hier investiert wurde und wie viele Menschen wirklich schlauer und mit neuen Erkenntnissen von der Weltausstellung gingen, fällt mir sehr schwer und macht mich vor allem wütend. Es blieb ein bitterer Beigeschmack zurück.

Wir brachen auf, rollten mit der Bahn Richtung Flughafen, die Sonne ging unter, es war ein herrlicher Früh-Sommer-Abend. Ich atmete das Leben in vollen Zügen, schloss meine Augen und flog davon.

mailand-fabian-willi-simon-2015-1 mailand-fabian-willi-simon-2015-2 mailand-fabian-willi-simon-2015-3 mailand-fabian-willi-simon-2015-4 mailand-fabian-willi-simon-2015-5 mailand-fabian-willi-simon-2015-6 mailand-fabian-willi-simon-2015-7 mailand-fabian-willi-simon-2015-8 mailand-fabian-willi-simon-2015-9 mailand-fabian-willi-simon-2015-10 mailand-fabian-willi-simon-2015-11 mailand-fabian-willi-simon-2015-12 mailand-fabian-willi-simon-2015-13 mailand-fabian-willi-simon-2015-14 mailand-fabian-willi-simon-2015-15 mailand-fabian-willi-simon-2015-16 mailand-fabian-willi-simon-2015-17 mailand-fabian-willi-simon-2015-18 mailand-fabian-willi-simon-2015-19 mailand-fabian-willi-simon-2015-20 mailand-fabian-willi-simon-2015-21 mailand-fabian-willi-simon-2015-22 mailand-fabian-willi-simon-2015-23 mailand-fabian-willi-simon-2015-24 mailand-fabian-willi-simon-2015-25 mailand-fabian-willi-simon-2015-26 mailand-fabian-willi-simon-2015-27 mailand-fabian-willi-simon-2015-28 mailand-fabian-willi-simon-2015-29 mailand-fabian-willi-simon-2015-30 mailand-fabian-willi-simon-2015-31 mailand-fabian-willi-simon-2015-32 mailand-fabian-willi-simon-2015-33 mailand-fabian-willi-simon-2015-34 mailand-fabian-willi-simon-2015-35 mailand-fabian-willi-simon-2015-36 mailand-fabian-willi-simon-2015-37 mailand-fabian-willi-simon-2015-38 mailand-fabian-willi-simon-2015-39 mailand-fabian-willi-simon-2015-40 mailand-fabian-willi-simon-2015-41 mailand-fabian-willi-simon-2015-42 mailand-fabian-willi-simon-2015-43 mailand-fabian-willi-simon-2015-44 mailand-fabian-willi-simon-2015-45 mailand-fabian-willi-simon-2015-46 mailand-fabian-willi-simon-2015-47 mailand-fabian-willi-simon-2015-48 mailand-fabian-willi-simon-2015-49 mailand-fabian-willi-simon-2015-50 mailand-fabian-willi-simon-2015-51 mailand-fabian-willi-simon-2015-52 mailand-fabian-willi-simon-2015-53 mailand-fabian-willi-simon-2015-54 mailand-fabian-willi-simon-2015-55 mailand-fabian-willi-simon-2015-56

Mehr aus meinem Blog

Corona Exil Brandenburg

läuft gerade: BONES - "MisterTenBelow" Mein Verlassen der Großstadt glich eher eine Flucht, jedenfalls schließe ich das aus dem Zustand meiner Wohnung und des Büros am Tag meiner Rückkehr. Ein ambivalente Wahrnehmung der äußern und inneren Lage lässt mich schwer...

Hallo, Depression.

Uff. Anderthalb Jahre vergangen nach dem letzten Eintrag auf diesem Blog. 2019 – wer schreibt noch Blogs? Ich will mir diesen persönlichen Schatz wahren, kann ich doch bereits auf 6 Jahre schön gestaltete Texte und Bilder zurückblicken. So ist es an der Zeit hier wieder ein wenig Leben einkehren zu lassen. Mal gucken wie lang das hält…

Emo Winter

Eine Liste von Songs die mich gerade begleiten…

Die Meinung Der Einzelnen

Am 18.01.18 startet eine Reise ins Ungewisse. Dies macht mir keine Angst, aber bereitet trotzdem Anlass zur Sorge. Nicht im negativen Sinne, sondern die Art von Sorge die man trägt, damit es den lieben Menschen um einen herum gut geht.
Meine Band Kind Kaputt bringt ihre erste Platte raus…

FERN von Alltag

Vorbei. Meine zweite Tour ist Geschichte. Nachdem ich Anfang 2017 für 10 Tage mit meiner Band Kind Kaputt auf Reisen war, fand ich durch diese den Kontakt zu Ghost City Recordings Jan Kerscher und eben so auch zu FERN.

Übers Ankommen

Wir alle wollen irgendwo ankommen. MarathonläuferInnen über die Ziellinie, SängerInnen bei ihrem Publikum, SchichtarbeiterInnen am Ende eben jener. Und ich? Ich will irgendwo da sein, hier sein, im Jetzt – nicht irgendwo, sondern hier.

Ein Festival in der Nachbarschaft

2 Jahre musste das alínæ lumr Fesitval in Storkow/Mark bisher ohne mich stattfinden. Ärgerlich, liegt es doch nur unweit meines Heimatorts Braunsdorf, quasi nur einige Felderlängen entfernt. Tanzte ich die letzten beiden Jahre am Strand der polnischen Ostsee auf dem „Plötzlich am Meer“, wollte ich mich dieses Jahr lieber dem alínæ widmen.

Hallo, wieder!

Toll, da halte ich das mit dem regelmäßig Bloggen erstmals konsequent für gut 1 1/2 Jahre durch, dann kommt der Sommer 2016, Prioritäten werden verändert und auf einmal wird dem Spaß am Leben geringfügig mehr Zeit eingeräumt, als leidige Probleme mit dem eigenen Webspace, WordPress-Fehlern und dergleichen. Nun gut, Geschichte, meine Web-Projekte laufen alle wieder, so also auch mein Portfolio und dieses kleine Tagebuch hier.

2016 war…

…weniger mehr.

Ich bin dieses Jahr 2 mal umgezogen, von einem großen in ein ganz kleines Zimmer, mit Zwischenpause aus Kisten leben bei meinen Eltern – zwischenzeitlich noch den halben Sommer auf Festivals verbringend. Das alles hat mich zu einer ganz guten minimalistischen Lebensweise getrieben…

Ein Sommertag mit Lucidreaming

Ich glaube das, was ich im Sommer 2016 am meisten genossen habe, ist die Menge an Zeit, die ich in der Sonne verbringen konnte. Einen spät gekommenen Sommertag im September durfte ich mit der Band Lucidreaming in der Nähe von Dresden erleben.

Kontakt

Du findest mich auf den einschlägigen Social-Media-Plattformen. Falls Du ein persönliches Anliegen oder eine Auftragsanfrage hast, benutze doch gerne das Kontaktformular anbei oder klicke auf Kontakt.

Erhalte regelmäßig Neuigkeiten rund um meine Arbeit und melde Dich jetzt zu meinem Newsletter an.

2 + 6 =