Hallo, Depression.

5 Aug 2019 | Und sonst so

Uff. Anderthalb Jahre vergangen nach dem letzten Eintrag auf diesem Blog. 2019 – wer schreibt noch Blogs? Ich will mir diesen persönlichen Schatz wahren, kann ich doch bereits auf 6 Jahre schön gestaltete Texte und Bilder zurückblicken. So ist es an der Zeit hier wieder ein wenig Leben einkehren zu lassen. Mal gucken wie lang das hält…

Ich schloss im Januar 2018 mit einem Bericht aus dem Studio. Wir haben „Die Meinung Der Einzelnen“ in Ghost City aufgenommen und auf eigene Faust herausgebracht. Mittlerweile folgte die Debüt LP „Zerfall“ im März 2019, mit 13 von mir erstellten Fotocollagen, 4 Musikvideos, unsere erste Headliner Tour durch Deutschland, 100 Leute in Berlin (Heimspiel, hihi), viel Lob und Anerkennung aus der Szene und einer Doku über den Prozess von Zerfall in the making. Mit progressivem Denken versuchen wir unseren eigenen Weg in der Musikindustrie zu ebenen und uns einen Platz in der Herzen der Hörer*innen zu erspielen. Nachdem ich 10 Jahren Musiker auf und neben der Bühne fotografiere, macht es mich wahnsinnig stolz einer solchen Kapelle als Manager und Art-Director anzugehören. Die Arbeit an Kind Kaputt stellt die Quintessenz meiner gesamten künstlerischen Laufbahn dar und lässt mich immer wieder über mich selbst wachsen. Unsere kleine Familie wird seit diesem Jahr durch Pete am Ton und Jori am Licht ergänzt. Zwei Typen die ich auf unserer Album Release Tour lieben gelernt habe. Wenn ich daran denke, was wir 6 jungen Männer live für ne geile Rockshow mittlerweile auf die Beine stellen, wird mir ganz warm ums Herz. Als ich unseren Sänger Johannes vor 3 1/2 Jahren kennengelernt habe, damals noch mit seiner alten Kapelle, hatte ich ein Bild vor Augen was das mal werden könnte, dem die Band Kind Kaputt zum heutigen Tage 1 zu 1 gleicht.

Wer mir auf Social Media folgt, hat es mitbekommen – Ich habe mit meinem Kompagnon Florian Kazimirski die Galerie Minimal gegründet. Im März 2018 bezogen wir eine geräumige Gewerbefläche in Kreuzberg. Den Sommer über schraubten wir an Plänen und gingen im November live. Das Büro, von uns liebevoll Institut genannt, hat sich seither zu einem Ort entwickelt, an dem ich mit Freude und Konzentration arbeite. Ein Treffpunkt zukunftsorientierter Geister, die unabhängig ihres bisherigen beruflichen Werdegangs gemeinsam tolle Sache verwirklichen. Unsere Galerie beherbergt die nunmehr dritte Ausstellung, für welche wir die amerikanische Fotografin Natalie Christensen gewinnen konnten. Leute aus aller Welt kommen uns besuchen um einmal Minimale Fotografie, in echt, an der Wand hängend zu sehen. Irgendwie krass.

Und als ob das nicht genug für 2 Leben wäre, drehte ich das ein oder andere Musikvideo, war mit Like Lovers einen Monat im Studio, unternahm diverse Reisen beruflicher und privater Natur und hatte viele, viele Menschen vor meiner Kamera.
Hervorheben möchte ich an dieser Stelle eine Zusammenarbeit mit der Band LIONLION, unsere erste, in einer Reihe von vielen. Haben wir uns doch während des Drehs gut riechen können. Letztens waren wir gemeinsam in London und Amsterdam. Support für Switchfoot. Aber bleiben wir beim Video… Dies hat mir vieles abverlangt und stellt ohne Zweifel meine bisher größte Produktion. Nach einem Drehbuchentwurf von LIONLION, gehen Regie, Kamera, Produktion, Schnitt und Grading auf meine Kappe. Ich bin immer wieder sehr erfreut, wenn Menschen mir sagen, dass „Oceans Rise“ aussieht, wie von einer großen Crew gedreht. Das bestätigt mich auf meinem künstlerischen Weg.

Und was bleibt?

Leere.

Ziemlich hart ausgebrannt nach 2 1/2 Jahren Selbständigkeit, folgte im Januar 2019 die Einsicht: Ich hab mich ein bisschen übernommen.
So sehr, dass auf Dauer der Spaß aus den Sachen entwich und ich genau mit dem konfrontiert war vor dem ich einst floh – einer mich erschöpfenden, auslaugenden Arbeit. Einem repetitiven Tagesablauf, so abwechslungsreich er auch sein mag, allein daraus besteht von einem brennenden Projekt zum nächsten zu springen, um den Flammen nicht den Sieg zu überlassen.

Ein halbes Jahr vorwärts, jetzt. Ich bin offiziell depressiv. Rezidivierende Depression – das heißt immer wieder auftretende depressive Phasen. Gefüllt mit einem Mix aus fehlendem Antrieb, Trauer, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Die Liste der durchlebten emotionalen Zustände ist lang und wird sicher noch mal wann anders Thema sein. Aktuell fühlt sich alles noch viel zu wirr und unsicher an. Ich gehe einmal die Woche zur Therapie. Yay. Platz in Berlin gefunden und das ohne ein halbes Jahr zu warten. Tiefenpsychologie, 60 Sitzungen von der Krankenkasse übernommen, also circa ein Jahr jede Woche 50 Minuten runterrattern was ein so beschäftigt, jetzt, gerade, vorhin und früher und versuchen daraus schlau zu werden. Das hilft. „Das Kind in dir will Heimat finden“ von Stefanie Stahl. Das hilft auch. Großartige Denkanstöße!

Es gibt phasenweise Fotos, phasenweise nicht. Seit November letzten Jahres habe ich mein erstes Iphone. Das hat mein Leben durch seine enorm gute Kamera enorm bereichert. So gibt es seither viele minimale Schnappschüsse von Straßen Berlins und anderswo auf meinem Instagram. Wenigstens etwas, denn mir fehlt die Erinnerung. Neben der Antriebslosigkeit ist wohl die Unfähigkeit mich an Dinge zu erinnern das Schlimmste am depressiv sein. Ich kann mich nicht erinnern. So wie sich der Alltag anfühlt, so wird er auch ins Gedächtnis geschrieben. Als grauer, lustloser Mus aus Ereignissen die mit einer gezwungenen Gleichgültigkeit hingenommen werden. Es ist, als hätte die Depression aus allem, was mich umgibt und ich erlebe, die Lust und den Spaß gezogen.

Ich versuche meine Situation so positiv wie möglich zu betrachten, mache Sport und mir gute Gedanken, umgebe mich mit Menschen die mich lieben und versuche Tempo und Druck aus dem Alltag zu nehmen. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ist ein ständiges Thema. Oft tuts weh und hinterlässt viele Fragezeichen, aber es wird jeden Tag besser. Wenigstens ein Stück. Mit 27 eine Art Midlife-Crisis zu haben, justiert den Kompass neu und lässt ein hoffentlich die nächsten Jahre mehr im Einklang mit sich selbst und der eigenen Umwelt leben. Es hilft mir darüber zu schreiben und zu reden, weswegen diese Wörter hier nun auch ihren Weg auf meinen Blog finden.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Auch wenn mir manchmal die Kraft fehlt zu leben, gibt es doch so vieles um mich rum, worauf ich stolz sein kann.
Anbei also einige Fotos aus Zeiten des Zerfalls. Außerdem einleitend mein „Cineastisches Ästhetikwunderwerk”…so bezeichnet zumindest The Mellowmusic mein Video für „Oceans Rise“ von LIONLION.

Mit einem blauen Auge, aber viel Elan grüßt aus der Mittenwalder Straße
Fabi

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